Catch an' touch - in 5 Schritten

von Genica Damköhler, 30.08.2011

„Welche Übung bringt Spiel, Sport und Apportiertraining unter einen Hut?" - Diese Frage beschäftigte mich vor ein paar Jahren besonders intensiv. Harley war gerade frisch bei uns eingezogen und nun galt es auf einmal, etliche neue Aspekte in der Planung des Alltags zu berücksichtigen.

Ich wollte Harleys Bindung zu mir weiter festigen, weshalb er möglichst viel Spiel & Spaß mit mir erleben sollte. Außerdem gab es für ihn noch etliches zu lernen, angefangen beim Grundgehorsam bis hin zu den ersten Steadiness- und Apportierübungen.

Das war natürlich eine schöne und spannende Zeit, die wir Zwei da hatten. Und doch machte sich eine gewisse Unzufriedenheit in mir breit, denn der Winter war vorbei und wie das so ist mit den guten Weihnachtsplätzchen, etwas Sport tat dringend Not! Dank Harley kam ich gar nicht erst in die Verlegenheit mich alibimäßig in eines der umliegenden Fitnessstudios zu quälen. Und, ach, Joggen finden Hund und Frauchen gar so langweilig...

harley_rennt

So habe ich mir eben etwas einfallen lassen: „Catch an' Touch" vereint die Themenkreise Spiel und Spaß mit dem Sportprogramm für Hund und Halter und Steadiness- und Markingübungen.

Und so läuft die Übung ab:

  1. Der Hund sitzt frei. (Steadiness)
  2. Herrchen/Frauchen (H/F) wirft einen Ball und rennt davon. (Steadiness, Marking)
  3. H/F streckt die Hand seitlich weg und ruft "Touch!". (Sport, Spiel und Spaß)
  4. Der Hund läuft hinter H/F her und stupst mit der Nase gegen die ausgestreckte Handfläche. (Spiel & Spaß)
  5. Jubel! Der Hund darf den Ball holen. (Markierleistung)

 

Natürlich muss man beim Weglaufen keine Schnelligkeitsrekorde aufstellen. Hauptsache der Hund kann rennen und Beide, Hund und Halter, haben Spaß miteinander!

Haben Sie auch Lust bekommen auf eine Runde „Räuber und Gendarme" mit Hund? In 5 Schritten kann's losgehen!

I. Einführung des Kommandos: „Touch!"

Ziel: Der Hund stupst auf Kommando mit seiner Nase gegen die Innenfläche Ihrer Hand.

Stellen Sie eine Schale mit Super-Leckerlies in Reichweite bereit.

Lassen Sie Ihren Hund vor sich sitzen, während Sie Ihre Hände hinter dem Rücken versteckt halten. Bringen Sie überraschend eine Hand vor Ihren Körper und halten Sie sie kurz vor dem Hund mit der Innenfläche in Richtung Hundenase.

Unweigerlich wird Ihr Hund neugierig mit der Nase Ihre Handinnenfläche untersuchen.

Das ist der wichtigste Moment! Sofort rufen Sie begeistert: „Touch!" und geben Ihrem Hund ein schönes Leckerlie.

Jetzt verschwindet die Hand wieder hinter dem Rücken, um kurz darauf wieder überraschend hervorzukommen.

Haben Sie den Eindruck Ihr Hund versteht schon ganz gut, worum es geht? Jetzt können Sie das Kommando „Touch" sofort sagen, wenn Sie ihm Ihre Handfläche hinhalten.

Wiederholungen: 8-15mal pro Durchgang, beide Hände im Wechsel.

Variation:

  1. Halten Sie Ihre Hand auch mal über bzw. seitlich des Hundes
  2. Drehen Sie Ihrem Hund den Rücken und zeigen Sie ihm Ihre Handfläche, indem Sie Ihren Arm seitlich halten.


Und wenn es nicht klappt?

Ihr Hund starrt nur Löcher in die Luft, anstatt sich für Ihre Hand zu interessieren? Versuchen Sie seine Aufmerksamkeit auf Ihre Handfläche zu ziehen, indem Sie mit dem Zeigefinger der anderen Hand dagegentippen.

Denkbar ist es auch Posties o.ä. gegen die Handfläche zu kleben, die dann mit der Zeit immer kleiner werden, bis sie überflüssig geworden sind.

II. Gehen Sie auf Abstand.

Voraussetzung: Ihr Hund stupst zuverlässig gegen die ihm hingehaltene Handfläche.

Ziel: Ihr Hund läuft auf das Kommando „Touch" zielstrebig zu Ihrer ausgestreckten Hand und „stupst".

splash_touch

Bestücken Sie sich wieder mit den fantastischen Leckerlies und lassen Sie Ihren Hund sitzen.

Gehen Sie jetzt einige Schritte auf Abstand zu ihm, bevor Sie Ihre Hand ausstrecken und das Kommando"Touch" geben. Beginnen Sie bei Entfernungen von 1-2m und steigern Sie sukkzessive bis zu einer Entfernung von ca.50m.

Wiederholungen: 3-6mal pro Durchgang, beide Hände im Wechsel.

Variation: Auch hier sollten Sie Ihre Hände mal höher, mal tiefer halten und ihm immer wieder den Rücken zudrehen, wenn Sie ihn rufen.

    Und wenn es nicht klappt?

    Wahrscheinlich sind Sie zu schnell vorgegangen. Üben Sie noch eine Weile an Punkt I, bevor Sie erneut, behutsam, steigern.

    III. Laufen Sie weg.

    Voraussetzung: Der Hund hat die Bedeutung von „Touch" klar erfasst und führt es problemlos aus den verschiedensten Entfernungen aus - auch, wenn Sie ihm den Rücken zuwenden.

    Ziel: Der Hund lernt gegen die sich wegbewegende Handfläche zu stupsen und sich nicht von Ihrem Gehen oder Rennen irritieren zu lassen.

    Stecken Sie die obligatorischen Leckerlies ein.

    Geben Sie Ihrem Hund jetzt wieder das Sitzkommando und gehen Sie in sehr langsamem Tempo von ihm weg. Strecken Sie einen Arm seitlich weg und drehen Sie die Handfläche in Richtung Hund. Rufen Sie „Touch!".

    Hat das gut geklappt? Steigern Sie das Tempo im Laufe eines Durchgangs nach folgendem Schema:

    • Langsam – normales Gehtempo – flottes Gehtempo
    • normales Gehtempo – flottes Gehtempo – langsamer Trab
    • flottes Gehtempo – langsamer Trab – schneller Trab
    • langsamer Trab – schneller Trab – Sprint!


    Wiederholungen: 3-6mal/ Durchgang, beide Hände im Wechsel

    Und wenn's nicht klappt?

    Tänzelt Ihr Hund nur um Sie herum, ohne Ihre Hand zu beachten? Bleiben Sie in Bewegung aber drosseln Sie das Tempo, während Sie versuchen Ihre Hand so zu halten, so dass er sie auch bemerkt.

    Klappt das nicht, sollten Sie noch einmal die Punkte I bis II „finetunen".

    IV. Binden Sie die Beute ein.

    Voraussetzung: Der Hund apportiert gerne.

    Ziel: Ihr Hund lernt, dass er sich mit einem „Touch" seine Beute erarbeiten kann.

    Führen Sie die Übungen aus den Punkten I bis III durch, aber jetzt gibt es für jedes erfolgte „Touch" statt des Leckerlies einen Ballwurf (ein „Funny" – der Hund darf also sofort hinter dem Ball herrennen).

    Hat alles geklappt? Dann können wir es jetzt schwieriger machen:

    Lassen Sie den Hund sitzen und gehen Sie einige Meter auf Abstand zu ihm. Werfen Sie jetzt einen Ball o.ä. einige Meter seitlich, während Sie das „Sitz-Kommando" in ruhigem Ton wiederholen. Der Hund soll den Wurf beobachten, aber natürlich nicht einspringen.

    Strecken Sie nun Ihre Hand aus und rufen Sie „Touch!". Hat Ihr Hund erfolgreich mit der Nase Ihre Handfläche berührt, geben Sie ihm sofort die Freigabe den Ball zu holen („Apport!", „Fido!", „Hol den Ball!", „Funny!")

    Ob Sie jetzt einen perfekten Apport erwarten sollen? Das ist letzlich Geschmackssache und hängt natürlich davon ab, ob bei Ihnen momentan Arbeit oder Fun im Vordergrund stehen. Da der Ball für Ihren Hund aber die Belohnung darstellen soll (siehe dazu „5 Varianten des Ballspiels"), bin ich eher dafür, ihn ruhig ein bisschen mit dem Ball herumtollen zu lassen, bevor Sie ihn wieder einfordern.

    Wiederholungen: 2-4mal pro Durchgang

    Und wenn's nicht klappt?

    „Geiert" Ihr Hund so sehr nach dem Ball, dass er vergisst zu „touchen"? Bleiben Sie stur und fordern Sie das korrekte Durchführen der Übung ein. Notfalls ist es besser, diesen Durchgang abzubrechen und es später erneut zu versuchen, als sich jetzt erweichen zu lassen und somit das Lernergebnis zu gefährden.

    Springt Ihr Hund ein, wenn Sie den Ball werfen? Nehmen Sie Spannung heraus, indem Sie den Ball legen und nicht werfen. Sichern Sie das ganze durch Verwendung einer Schleppleine ab.

    V. Fügen Sie alles zusammen.

    Voraussetzung: Alle Übungen vorher sind verstanden und in Fleisch und Blut übergegangen.

    Ziel: Ready, set, go!

    Jetzt wird's spannend:

    Lassen Sie den Hund sitzen und werfen Sie den Ball. Wiederholen Sie sicherheitshalber noch einmal das Sitzkommando, bevor Sie sich nun in flottem Gehtempo (oder, bei einem Hund, der sehr steady ist, in flottem Trab) von Ihrem Hund wegbewegen.

    Bleiben Sie in Bewegung, während Sie einen Arm mit gestreckter Hand seitlich wegstrecken und laut „Touch!" rufen.

    Kommt Ihr Hund Ihnen nach? Steigern Sie das Tempo, aber nicht vergessen die Hand für den Hund erreichbar zu halten!

    Hat die Nase dann Ihr Ziel gefunden, schicken Sie Ihren Hund begeistert zurück zum Ball (jetzt dürfen Sie anhalten).

    Wiederholungen: anfangs 3-6mal, mit steigender Routine solange, wie die Puste reicht.

    Variation: mal schneller, mal langsamer, mal eine kürzere Distanz, mal eine längere..

    Und wenn's nicht klappt?

    Sind Sie zu schnell zu schnell geworden? Sonst ist es eigentlich unwahrscheinlich, dass es nicht klappt – so gründlich, wie Sie mit Ihrem Hund die Punkte I bis IV eingeübt haben!

    Epilog

    So das war unser kleiner Ausflug in die sportlichen Möglichkeiten, die wir mit unseren Jagdhunden haben. Ich wünsche ganz viel Spaß beim Nachsporteln und würde mich sehr freuen, wenn ich vielleicht das eine oder andere Nachahmervideo oder -foto zugestellt bekäme!

    Noch ein Rat, für all jene, die Ihre Übungen vielleicht in eine öffentliche Grünanlage, oder ähnlich menschenbevölkertes Umfeld, verlegen möchten: Man unterschätze niemals die Wirkung, die Szenen, wie die oben gezeigten, auf das unwissende Publikum haben könnten.

    Eine junge Frau rennt vor einem großen, schwarzen Hund davon. Plötzlich schreit sie ein Wort, das vielleicht mit T beginnt - auf Entfernung für Uneingeweihte phonetisch aber sehr viel Ähnlichkeit mit dem Wort „Fass" hat. Jetzt spurtet der Hund los, unaufhaltsam hinter der Frau her. Diese hebt noch die Hand, wie um ihn abzuwehren, doch zu spät: er scheint sie in die Hand gebissen zu haben! Wieder stößt die Frau einen Schrei aus, fast klingt es jubilierend..? Muss wohl ein Hörfehler gewesen sein.

    Gott sei Dank wendet sich der Hund jetzt von ihr ab und tollt jetzt lieber mit einem Ball umher, anstatt hilflose Frauen zu zerfleischen...

    genica_avatarDie Autorin

    Genica Damköhler ist seit 2009 Hundetrainerin bei Crosswind's. Von Kindesbeinen an mit Hunden vertraut, sammelte sie in ihrer Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten berufliche Erfahrungen im Umgang mit Hunden, die sie in der mütterlichen Hundeschule noch vertiefte. Privat führt Genica Damköhler die beiden schwarzen Labrador Retriever Harley und Fancy, die sie jagdlich und im Bereich der Dummyarbeit professionell ausbildet.

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